Drei Wege für Helios

Besucherandrang bei der Zwischenpräsentation

Etwa 200 Leute kamen in die DQE-Halle (Foto: Thor Zimmermann)

Drei Architekturbüros haben am 19.10. in einer öffentlichen Zwischenpräsentation rund 200 Interessierten erste Pläne vorgestellt.

Von Almut Skriver

Düne oder Insel am Leuchtturm?

Das Büro Brandlhuber+ schlägt eine gewellte Großstruktur, die „Düne“ am Ehrenfelder Leuchtturm vor. Das ganze Gelände wird mit einer Art Platte überbaut, der großflächige Nutzungen wie Schule, Handelsflächen, Veranstaltungs- und Turnhallen und Garagen untergeschoben werden können. Auf dem Dach entsteht viel freier Aufenthalts-Raum für nichtkommerzielle Aktivitäten, Sport und nach Bedarf aufgesetzte Baukörper, deren konkrete Flächen noch nicht dargelegt werden . Offen bleibt, wie attraktive Räume und Wege auf Straßenebene entstehen und die „unter den Teppich gekehrten“ Flächen ihre Qualitäten entfalten können. Bauwerke wie die Domplatte oder andere begehbare Großstrukturen lassen Zweifel aufkommen, ob eine solche Idee zu Ehrenfeld passt und eine schwer teilbare Großparzelle die gewünschte Mischung und Vielfalt (auch der Akteure) erzeugen kann oder gar Stückwerk bleibt. Das Heliosgelände soll die sich rasant verändernden Gebiete Richtung Braunsfeld mit Ehrenfeld verbinden und nicht abschließen, gerade die Fußläufigkeit ist eine der Ehrenfelder Qualitäten, störende Strukturen wie die Bahn wurden in Hochlage und unter die Erde verlegt. Vonseiten der IUS wird die Hügellandschaft als besonders ungeeignetes Umfeld für eine Inklusive Schule gesehen. Die typologische Innovationskraft, für die das Büro bekannt ist, ist für das fußläufige und pragmatische Ehrenfeld vielleicht ein Akt am falschen Ort. Ein weiterer Aspekt: die Rheinlandhalle versinkt in der Dünenlandschaft.

Vier Blöcke auf dem Platz

Das Büro Ortner & Ortner legt den Schwerpunkt auf ein Kreativquartier (das sie bereits in München geplant haben), orientiert sich an der großformatigen Baustruktur ehemaliger Industrieareale und bleibt mit 4-5 Geschossen eher niedrig. Statt eines Platzes wird eine grüne Promenade vorgeschlagen, die die Rheinlandhalle mit der Vogelsanger Straße verbindet. Auf der Ecke Heliosstraße soll vor dem Kulturbaustein ein „Kunstforum“ entstehen, auf dem Dach eine Künstlerkolonie, gewohnt wird hier vor allem in sog. „Sonderwohnformen“. Die Größe der Kulturflächen wird vom Eigentümer kritisch gesehen, insgesamt schlagen O & O ca. 3.000 qm mehr Baumasse vor als S & W.
Die IUS liegt nur zwischen Rheinlandhalle und Vogelsanger Straße. Deren öffentlich nutzbare Räume wie Aula, Turnhallen, Bibliothek und Mensa liegen in einem großen Sockel im Erdgeschoss, aus dem kubische Baukörper für die Lernräume um einen Dachterrassenschulhof herauswachsen. Ein zweiter Bildungs-Baustein an der Ecke Gürtel kann die IUS erweitern oder anderen Bildungseinrichtungen mit z. B. Studenten-Wohnen dienen. Die Vernetzung der Schulräume mit dem Quartier kann noch ausgebaut werden. Plätze gibt es nur am Rand des Geländes und einen (unfreiwilligen) Fast Food-Parkplatz. Den Stadtplanern fehlt hier noch die Qualität der öffentlichen Räume, das Wegenetz ist grob gestrickt, die Baumassen noch nicht ausgewogen platziert und vielleicht zu groß. Die Kodexpunkte wurden zwar einzeln abgearbeitet, die Raumstruktur ist aber noch verbesserungswürdig.

Werkstatt und Schwamm

Ingrid Spengler und Manfred Wiescholek, Planer der innovativen Hafen City-Schule in Hamburg, verlegen als einzige entgegen der Auslober-Vorgabe die IUS bewusst als „Gesicht“ des Viertels an den Gürtel. Die Schule umgreift als lineare „Werkstattstruktur“ das Burger King Gebäudes, dessen Parkplatz zum Innenhof wird, von dem sich die anliegenden Nutzungen abwenden, ein scheinbar unüberwindliches Problem für die Vertreter der IUS.

Der Bereich zur Heliosstraße wird durch ein poröses „Schwamm“- System von einzelnen frei auf einer offenen Fläche platzierten Turmbauten besetzt, in deren Erd- und Untergeschossen die Kulturnutzungen geplant sind, oben kann in verschiedenen Formen gewohnt werden. Es entsteht eine Vielzahl klein strukturierter Außenräume, die ganz unterschiedlich bespielt, begrünt und durchlaufen werden können. Die offenen Außenräume werden von den einen unter dem Aspekt der möglichen Störung der Bewohner durch Partygänger kritisiert, andere sehen gerade in der lockeren Struktur ein besonderes Potenzial für räumliche Vielfalt und Vernetzung, Gestaltungsmöglichkeiten von Klein-Anliegern im Gegensatz zu großen vorprogrammierten und abschließbaren Innenhofflächen als gated communities mit den üblichen hochpreisigen Eigentumswohnungen.

Von der Kulturinitiative Helios würde als Kreativzentrum ein großes Gebäude bevorzugt, die angedachten Synergien zwischen Schule und Kreativen lassen fragen, ob Schule und Wohnquartier nicht getauscht werden könnten. Eine vom Wohnen entferntere Lage der Clubnutzung wäre sinnvoll.

An der Ecke Venloer Straße / Gürtel schlägt das Büro vor, die Eckbebauung leicht einzuziehen und damit einen Zugang zum Platz vor der Rheinlandhalle zu schaffen.

Die Mischung macht’s

Die Frage wird sein, welcher Vorschlag die von den Ehrenfeldern gewünschte urbane Mischung am besten umsetzen kann.

Ob wir am Ende aufgrund der vielen Zwänge – die vielleicht doch mutiger infrage gestellt werden sollten? – einfach beim Bewährten bleiben oder doch unter dem Leuchtturm Neuland betreten können, mit oder ohne fliegendem Teppich?


Termin merken:

Samstag, den 16. November 2013
Öffentliche Abschlusspräsentation der fertigen Entwürfe mit anschließender Juryentscheidung
ab 16:00 Uhr

Link lesen:

Artikel im Stadtanzeiger vom 19.10.2013: Wettbewerb – Neue Ideen für das Heliosgelände


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