Eine Chance für die Inklusive Universitätsschule (IUS)

Von Suza Fettweiß

Diskussionsrunde zum Thema IUS - v.l.n.r.: Thor Zimmermann (DEINE FREUNDE), Katja Hoyer (FDP), Giesela Manderla (CDU), Jörg Detjen (DIE LINKE, Moderation), Gabriele Hammelrath (SPD), Horst Thelen (BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN), Oswald Pannes (DIE LINKE)

Diskussionsrunde zum Thema IUS – v.l.n.r.: Thor Zimmermann (DEINE FREUNDE), Katja Hoyer (FDP), Giesela Manderla (CDU), Jörg Detjen (DIE LINKE, Moderation), Gabriele Hammelrath (SPD), Horst Thelen (BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN), Oswald Pannes (DIE LINKE)

Zwar hat der Stadtentwicklungsausschuss im Juni ein kooperatives Gutachterverfahren beschlossen, in dem nun drei Planungsteams aus Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern drei Vorschläge entwerfen, wie die Inklusive Universitätsschule (IUS) auf dem Helios-Gelände in Ehrenfeld verwirklicht werden kann – aber einen konkreten politischen Ratsbeschluss für den Grundstückskauf und den Schulbau gibt es immer noch nicht.

Die Organisatoren der Inklusiven Universitätsschule brauchen jedoch die Gewissheit, dass die Schule wie gewünscht im kommenden Sommer in Ehrenfeld ihr Tore öffnen kann. Und auch die Eltern, die ihre Kinder dort anmelden wollen, brauchen Sicherheit. Aber angesichts schwieriger Stadtfinanzen und unterschiedlicher Auffassungen über Schulsysteme schleicht das politische Ringen um konkrete Entscheidungen in gewohnt kölschem Tempo voran.

Darum hatte der Arbeitskreis Schule der Bürgerinitiative-Helios im Rahmen des Heliosfestes am 7. September sieben Politikerinnen und Politiker aus dem Stadtrat und dem Landtag in der DQE-Halle um eine Stellungnahme zum Thema IUS gebeten.

Trotz Terminstress im Bundestagswahlkampf übernahm Jörg Detjen, Die LINKE, die Moderation der Veranstaltung und schaffte dank sachlicher Fragestellung eine offene Atmosphäre. Gabriele Hammelrath, SPD, Mitglied im Hochschulausschuss des Landes NRW, äußerte als Erste große Begeisterung für das Projekt: Sowohl Bürgermeister Roters als auch die SPD in Bezirk, Rat und Land seien sich einig: eine Ganztagsschule von der ersten bis zur 13. Klasse, mit neuen pädagogischen Elementen wie der Inklusion, mit der Anbindung der Lehrerausbildung an die Universität und der örtlichen Anbindung an den Stadtteil Ehrenfeld vereine die IUS alle wichtigen Elemente, die eine Schule haben sollte, so Hammelrath.

Die Christdemokraten hätten sich zunächst schwer getan mit der IUS, gab Gisela Manderla, CDU, Mitglied im Schulausschuss, zu. Die CDU setze in der Bildung jedoch auf Kontinuität und sehe im gemeinsamen Lernen von der ersten bis zur 13. Klasse eine große Chance. Große Zustimmung finde bei der CDU außerdem das nun beschlossene kooperative Verfahren, damit das zentral in Ehrenfeld gelegene Helios-Gelände auch baulich optimal genutzt werde.

Horst Thelen, der schulpolitische Sprecher der GRÜNEN, freute sich über das Einlenken und forderte die CDU auf, sich nun auch bereit zu erklären, diese Schule zu bezahlen. Außerdem würdigte er die geplante enge Zusammenarbeit mit der Universität und der Wissenschaft. Bisher würde viel Geld für Fördermaßnahmen ausgegeben, deren Nutzen nicht überprüft würde.

Als Einzige sprach sich die sozialpädagogische Sprecherin der FDP, Katja Hoyer, klar gegen die IUS aus. Die FDP halte weiter am dreigliedrigen Schulsystem fest, besonders am Gymnasium – und an der klassischen Notengebung. Die FDP habe Angst um die Höherbegabten. Außerdem konnte sich Frau Hoyer bei so viel Verkehr rund um das Helios-Gelände einen städtebaulich offenen Schulhof trotz des Planungsverfahrens nicht vorstellen.

Dagegen ist Oswald Pannes, Die LINKE, Mitglied im Schulausschuss, von der geplanten konsequenten Umsetzung der Inklusion und dem durchgängigen System von der ersten bis 13. Klasse begeistert.

Laut Thor Zimmermann, Ratsmitglied von DEINE FREUNDE, ist Inklusion auch im Landschaftsverband Rheinland (LVR), wo er auch ein Mandat ausübt, das große Thema. Er wies darauf hin, dass Inklusion als neue UN-Menschenrechtskonvention noch viele Probleme bei der Umsetzung bereite, die geplante IUS aber gerade deshalb so wichtig sei.

Ehrenfeld ist ein hervorragender Standort für die IUS

Interessiertes Publikum in der DQE-Halle

Interessiertes Publikum in der DQE-Halle

Im Folgenden versuchte Jörg Detjen die Diskussion auf den Stadtbezirk Ehrenfeld zu lenken. Mit seinen hohen Kinderzahlen, den fehlenden Schulen und einem Migrationsanteil von über 50 Prozent sei Ehrenfeld hervorragend geeignet für ein solch innovatives Schulprojekt, so die IUS-Organisatoren.

Thor Zimmermann erinnerte daran, dass die Idee zu der IUS von der Schuldezernentin Agnes Klein selber kam, genau wegen der fehlenden Schulen in Ehrenfeld. Die Kosten würden von Frau Klein auf 60 bis 70 Millionen Euro geschätzt, was aber nicht teurer sei als eine andere Schulform, wie die Planer der IUS versicherten. Einzige Mehrkosten seien die Kosten für den Grundstückskauf.

Oswald Pannes wies daraufhin auf die grundlegende Bedeutung von Bildung für eine Demokratie hin. An Bildung dürfe auch in schlechten Haushaltszeiten nicht gespart werden. Er appellierte an die soziale Verpflichtung des Eigentümers Bauwens-Adenauer und forderte finanzielle Unterstützung von Bund und Land.

Frau Hoyer klagte, das Land NRW würde die Stadt mit der Finanzierung des großen Schulbedarfs alleine lassen. Horst Thelen forderte dagegen pragmatisch, sich keinen Illusionen hinzugeben, sondern die IUS mit Kölner Mitteln zu finanzieren und sich klar zu diesem Projekt zu bekennen.

Frau Manderla schloss sich dieser Meinung an und verwies darüber hinaus auf den Ausbau von Ganztagsschulen und den großen Sanierungsbedarf der vorhandenen Schulen – und forderte einen langen Atem.

Frau Hammelrath wandte sich gegen das Jammern und betonte, dass Köln im Gegensatz zu anderen Kommunen wachse und Kinder eine Bereicherung seien. „Wir brauchen weitere, durchkonzipierte, gute Schulen.“ Sie sprach sich für die Förderung und Stärkung von Kindern aus. Längeres gemeinsames Lernen bedeute auch mehr Leistung.

Einen Brückenschlag in Richtung FDP seitens der Moderation mit der Frage nach der Lehrerausbildung in punkto Inklusion wehrte Frau Hoyer ab und beharrte auf ihrer ablehnenden Haltung zur IUS.

Weiter wurde über einen gemeinsamen Ratsbeschluss gesprochen, um in der Sache voranzukommen, und über eine neue Föderalismusdiskussion, damit Bund und Ländern besser miteinander kooperieren könnten.

Appell der BI Helios: Bürgerwillen respektieren

Aus dem Publikum kamen anschließend Hinweise zu besseren Schul- und Leistungserfolgen in Ländern wie Holland, Schweden oder Dänemark, in denen längeres gemeinsames Lernen lange Standard sei. Schulnoten in Dänemark würden nicht einmal mehr im Abitur vergeben.

Almut Skriver von der Bürgerinitiative Helios erinnerte an die geplante Mehrfachnutzung der Schulgebäude durch die Bewohnerinnen und Bewohner Ehrenfelds. Damit würden die Kosten, die durch den Bau der IUS entstünden, auch in den Stadtteil investiert. In der Diskussion hatte eine Politikerin angemerkt, dass das Geld letztendlich von den Bürgerinnen und Bürgern komme.

Der Sprecher der Bürgerinitiative, Hawe Möllman, schloss die Diskussion mit einer Mahnung an die Politiker, den Bürgerwillen zu respektieren : Sowohl im Bürgerbeteiligungsverfahren wie auch in einer begleitenden Umfrage im Stadtteil Ehrenfeld wurde die IUS mehrheitlich von den Bürgerinnen und Bürgern gewünscht!


Am Samstag, den 19. Oktober 2013, ab 14 Uhr, wird es eine öffentliche Zwischenpräsentation der Arbeiten der Planungsbüros geben. Am Samstag, den 16. November 2013, findet dann ab 14 Uhr die Abschlusspräsentation statt. Veranstaltungsort ist jeweils die DQE-Halle, Heliosstr. 35-37.

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