Die Tricks der Entwickler

Im folgenden Beitrag werden einige Gesetzmäßigkeiten bei der Planung von innerstädtischen Einkaufszentren auf polemische Art und Weise zusammengefasst, basierend auf einem Kapitel aus dem Buch „Angriff auf die City“:

Profi vs. Laie

Der Entwickler einer Mall besitzt einen großen Wissensvorsprung gegenüber Rat und Bevölkerung. Für ihn ist die Ansiedlung eines Einkaufszentrums Tagesgeschäft, für Bürgerinitiativen und Politiker ein einmaliges Ereignis, dem sie unbedarft gegenüberstehen.

Profit vs. Komplexität der Entscheidung

Während der Entwickler ein einfaches Ziel verfolgt – das Objekt muss sich rechnen – geht es für die Stadt um Arbeitsplätze, Bauindustrie, Einzelhandel, Bürgerwillen usw. – ein komplexes Bündel aus unterschiedlichen und mitunter gegenläufigen Interessen. Da hat der Entwickler leichtes Spiel.

Der Macher oder Schweigen ist Gold

Der Entwickler versucht Tatsachen zu schaffen: Er kauft heimlich vorab die Grundstücke zusammen, die er braucht. Oftmals unterstützt von einzelnen Playern der Stadt. Darüber hinaus vereinbart er Stillschweigen unter den Eingeweihten. Und nimmt Einfluss auf Bedenkenträger.

Bestechung usw.

Der Entwickler nutzt Korruption zur Verfolgung seiner Ziele. Er bietet der Stadt Zusatzleistungen an (Fußballstadion in Münster, Stadthalle in Detmold, Entsorgung des verseuchten Erdreichs in Köln?). Oder kauft sich die wirklich Einflussreichen der Kommune.

Gutachten nach Gutdünken

Der Entwickler beauftragt Gutachter, um die Notwendigkeit der Mall zu belegen. Manchmal werden regelrechte Untergangsszenarien gezeichnet. Beliebter Begriff: Trading-Down-Area!

Scheinargument 1: Arbeitsplätze

Der Entwickler agumentiert mit Arbeitsplätzen. Stimmt aber nicht: Um ein Kleingeschäft (bis 150 qm) gewinnbringend zu betreiben, bedarf es vier bis fünf Angestellter. Mit der gleichen Zahl von Mitarbeitern werden im gleichen Segment beim Filialisten 400 bis 600 qm betrieben.

Scheinargument 2: Steuereinnahmen

Der Entwickler wirbt mit hohen Steuereinnahmen für die Stadt. Die zu 90 Prozent angesiedelten Filialisten zahlen ihre Steuern jedoch am Hauptsitz ihrer Firma – andere Stadt, anderes Land, anderer Kontinent. Die Einzelhändler, die nach der Eröffnung der Mall schließen müssen, haben alle ihre Steuern dagegen vor Ort bezahlt.

Reden ist Silber

Der Entwickler veranstaltet öffentliche Sitzungen. Bei Unmutsbekundungen winkt er mit dem Wirtschaftsgutachten (siehe Scheinargumente 1 und 2).

ECE, MFI ETC.

Der Entwickler sucht einen skrupellosen Investor, der keine Grenzen akzeptiert. Mit dessen Finanzkraft kann man Öffentlichkeitsarbeit, Plakate, Anzeigen, Gutachten, Bedenkenträger usw. bezahlen.

Ideen unerwünscht

Der Entwickler lobt einen Wettbewerb aus – um das Ergebnis hernach in die Tonne zu kloppen. Die eigene Bauabteilung baut dann nach Schema F.

Größer als gedacht

Der Entwickler täuscht Stadt und Bevölkerung hinsichtlich der Verkaufsfläche. Er rechnet die Gastronomie heraus oder Teile der Verkaufsfläche wie Lager, Bereich hinter der Kasse (!), WC-Anlagen und Schaufenster und kommt so auf wesentlich geringere Flächen – und wiegt damit die Einzelhändler auf der Hauptstraße in Sicherheit.

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2 Antworten zu Die Tricks der Entwickler

  1. ArnoNym schreibt:

    Peinliche Unkenntnis! Natürlich zahlen Filialisten Gewerbesteuern vor Ort.

    Relevant sind allein die Betriebsstätten. REWE, EDEKA & Co. zahlen an viele Hundert Kommunen in D Gewerbesteuer.

    Einfach mal informieren, bevor man groß die Klappe aufreißt und anderen Menschen Straftaten (Korruption) unterstellt.

    • Andreas Lemke schreibt:

      Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, lieber mutiger Anonymous: Von Gewerbesteuer ist hier nicht die Rede, sondern von der Einkommens- oder Körperschaftssteuer der Konzerne. Die Geschäfte, die auf der Venloer Straße schließen müssen, wenn die Mall aufmacht, zahlen ALLE ihre Steuern vor Ort. Was die Korruption betrifft: Mein begriff davon geht übers Strafrecht allein hinaus. Und noch was: Das ist die Seite der Bürgerinitiative GEGEN das Einkaufszentrum – und nicht der Stadtanzeiger, der gehalten ist, neutral zu berichten. Und noch ein letztes: Über dem Artikel steht: Polemik!

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